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Energiepreise: Was Hormus-Krise und Industriestrompreis bedeuten

Die Energiepreise prägen 2026 die Standortdebatte wie lange nicht. Du erfährst, was Netzzuschuss, Industriestrompreis und CO2-Preis bringen und wie du dein Unternehmen absicherst.

Von Tobias Reinhardt
19.10.2026
9 Min. Lesezeit
Energiepreise und Industriestandort: Industriegebäude mit hohem Schornstein vor blauem Himmel

Foto: Unsplash

Die Energiepreise sind 2026 zurück auf der Tagesordnung jedes Vorstands. Der Konflikt um Iran und die Straße von Hormus hat Gas und Öl erneut verteuert, während die Bundesregierung Netzentgelte bezuschusst und einen Industriestrompreis einführt. Für dich als Unternehmer stellt sich die Frage, ob Deutschland als Produktionsstandort noch konkurrenzfähig ist. In diesem Beitrag erfährst du, wie sich die Preise zusammensetzen, welche Entlastungen wirklich ankommen und wie du dein Unternehmen absicherst.

Die Lage ist widersprüchlich. Strom ist für Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 günstiger geworden, Gas dagegen teurer. Gleichzeitig verlagern immer mehr Industriebetriebe Teile ihrer Produktion ins Ausland. Wer die Standortdebatte verstehen will, muss deshalb genauer hinschauen.

Energiepreise 2026: Die Lage in Zahlen

Laut Statistischem Bundesamt zahlten Nicht-Haushaltskunden wie Unternehmen und Behörden im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 17,64 Cent je Kilowattstunde Strom, ohne Umsatzsteuer und andere abziehbare Steuern. Das sind 8,3 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025. Beim Gas stieg der Preis für Nicht-Haushaltskunden dagegen um 1,8 Prozent auf 6,29 Cent je Kilowattstunde. Destatis führt das auf erste Effekte der Krise um die Straße von Hormus zurück.

Seitdem hat sich die Lage an den Großhandelsmärkten weiter zugespitzt. Die wichtigsten Signale im Überblick:

Am 9. September 2026 stieg der europäische Gaspreis TTF auf rund 79 Euro je Megawattstunde, den höchsten Stand seit Ende 2022.

Die Weltbank rechnete im April 2026 damit, dass die globalen Energiepreise 2026 um 24 Prozent steigen.

Der Ölpreis der Sorte Brent lag Ende April 2026 zeitweise über 110 US-Dollar je Barrel.

Die Inflation im Euroraum erreichte im August 2026 3,3 Prozent, die EZB hob daraufhin die Leitzinsen an.

Die aktuellen Durchschnittspreise veröffentlicht Destatis halbjährlich in seiner Statistik zu Strom- und Gaspreisen.

Wie setzen sich die Energiepreise für Unternehmen zusammen?

Der Strompreis für Unternehmen besteht aus drei großen Blöcken: den Kosten für Beschaffung und Vertrieb, den Netzentgelten sowie Steuern, Abgaben und Umlagen. Beim Gas kommen der CO2-Preis und gegebenenfalls Speicherumlagen hinzu. Je nach Verbrauch und Netzgebiet unterscheiden sich die Anteile erheblich.

Für energieintensive Betriebe zählt vor allem der Börsenpreis, weil viele ihren Strom direkt am Großhandelsmarkt beschaffen. Kleine und mittlere Unternehmen spüren dagegen stärker die Netzentgelte und die Stromsteuer. Deshalb wirken politische Entlastungen sehr unterschiedlich.

Was ein Cent mehr für deinen Betrieb bedeutet

Wie stark Energiepreise auf das Ergebnis durchschlagen, zeigt eine einfache Rechnung. Ein mittelständischer Fertigungsbetrieb mit einem Jahresverbrauch von 500 Megawattstunden Strom zahlt für jeden zusätzlichen Cent je Kilowattstunde 5.000 Euro mehr im Jahr. Bei 2 Gigawattstunden sind es bereits 20.000 Euro. Bei knappen Margen entscheidet das über Investitionen oder Neueinstellungen.

Ein Sonderfall ist der Zusammenhang zwischen Gas und Strom. In vielen Stunden bestimmen Gaskraftwerke den Strompreis an der Börse, weil sie als letzte Anlagen zugeschaltet werden. Steigt der Gaspreis, zieht der Strompreis oft nach, wenn auch mit Verzögerung.

Energiepreise belasten die Industrie: Fabrikgebäude mit hohem Schornstein

Energieintensive Betriebe spüren steigende Gas- und CO2-Kosten besonders deutlich.

Netzentgelte und Stromsteuer: Was die Entlastung bringt

Die Bundesregierung hat für 2026 ein Paket geschnürt, das an mehreren Stellen ansetzt. Es erklärt einen großen Teil des Preisrückgangs beim Strom:

Netzentgelte: Der Bund bezuschusst die Übertragungsnetzentgelte 2026 mit 6,5 Milliarden Euro, für 2027 bis 2029 sind jeweils rund 5,5 Milliarden Euro vorgesehen.

Stromsteuer: Seit dem 1. Januar 2026 gilt für rund 600.000 Unternehmen des Produzierenden Gewerbes sowie für die Land- und Forstwirtschaft dauerhaft der EU-Mindeststeuersatz.

Gasspeicherumlage: Sie entfällt seit 2026 und entlastet alle Gaskunden.

Zusammen mit dem Netzzuschuss summiert sich die Entlastung laut Bundesregierung 2026 auf rund 10 Milliarden Euro. Details findest du auf der Informationsseite der Bundesregierung zu niedrigeren Netzentgelten. Handel, Dienstleister und Handwerksbetriebe ohne produzierenden Schwerpunkt profitieren allerdings nicht von der Stromsteuersenkung.

Wer bei der Entlastung leer ausgeht

Gerade für Dienstleister, Einzelhändler und Gastronomen bleibt die Stromsteuer unverändert. Viele Wirtschaftsverbände fordern deshalb eine Senkung für alle Unternehmen. Für dich heißt das: Prüfe genau, ob dein Betrieb als Unternehmen des Produzierenden Gewerbes gilt und die Entlastung beim Hauptzollamt beantragen kann.

Industriestrompreis: Wer profitiert und wie viel?

Das Kernstück für die Schwerindustrie ist der Industriestrompreis. Die Förderrichtlinie wurde am 6. Mai 2026 im Bundesanzeiger veröffentlicht. Sie gilt für die Abrechnungsjahre 2026 bis 2028 und richtet sich an besonders stromintensive Unternehmen im internationalen Wettbewerb.

Die wichtigsten Eckpunkte der Regelung:

Gefördert werden bis zu 50 Prozent des Großhandelsstrompreises, der Strompreis sinkt aber höchstens auf 5 Cent je Kilowattstunde.

Begünstigt ist bis zu die Hälfte des Stromverbrauchs einer Produktionsstätte.

Antragsberechtigt sind Branchen, die in den europäischen Beihilfeleitlinien als besonders strom- und handelsintensiv gelistet sind.

Die Hälfte der erhaltenen Förderung muss innerhalb von 48 Monaten in Dekarbonisierungsmaßnahmen fließen.

Anträge laufen rückwirkend über das BAFA, für das Abrechnungsjahr 2026 ab Anfang 2027.

Eine kompakte Übersicht bietet die IHK Oberfranken Bayreuth zur Förderrichtlinie. Für die meisten Mittelständler ist der Industriestrompreis allerdings keine Lösung, weil sie nicht zu den begünstigten Branchen gehören. Die Liquidität fließt zudem erst nachträglich.

Daneben besteht die Strompreiskompensation weiter. Mit ihr erhalten stromintensive Unternehmen einen Teil der indirekten CO2-Kosten erstattet, die im Strompreis stecken. Wie die beiden Instrumente zusammenspielen und welche Nachweise du brauchst, solltest du frühzeitig mit Energieberatern oder deiner IHK klären. Denn wer Fristen verpasst, verschenkt bares Geld.

CO2-Preis: Der nächste Kostenblock

Neben Strom und Gas belastet der CO2-Preis die Kalkulation und treibt die Energiepreise zusätzlich. Im nationalen Emissionshandel für Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel gilt 2026 ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Die Bundesregierung will diesen Korridor auch 2027 beibehalten, das Gesetz befindet sich im parlamentarischen Verfahren. Ohne diese Regelung hätten Fachleute für 2027 deutlich höhere Preise erwartet.

Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr, kurz ETS 2, starten und das nationale System ablösen. Für Industrieanlagen gilt bereits der klassische EU-Emissionshandel, in dem ein Zertifikat im Frühjahr 2026 rund 70 Euro je Tonne kostete. Die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten läuft schrittweise aus, parallel greift der CO2-Grenzausgleich CBAM.

Für dich als Unternehmer bedeutet das: Die CO2-Kosten steigen mittelfristig planbar, aber spürbar. Wer heute in Effizienz und Elektrifizierung investiert, senkt die Belastung von morgen. Die Daten dazu brauchst du ohnehin für deinen Nachhaltigkeitsbericht.

Die Standortdebatte: Wandert die Industrie ab?

Die hohen Energiepreise sind zum zentralen Argument in der Standortdebatte geworden. Das IHK-Energiewende-Barometer 2026, für das im Juni 2026 Unternehmen befragt wurden, liefert dazu deutliche Zahlen:

Das Barometer fiel auf minus 11 Punkte auf einer Skala von minus 100 bis plus 100.

Rund 40 Prozent der Industriebetriebe planen eine Verlagerung ins Ausland oder setzen sie bereits um.

Bei großen Industrieunternehmen sind es rund 60 Prozent, etwa ein Drittel verlagert bereits.

Rund zwei Drittel der Industriebetriebe sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende beeinträchtigt.

Etwa ein Drittel der Unternehmen schiebt Investitionen in Kernprozesse auf.

Für Investitionsentscheidungen zählen dabei nicht nur die aktuellen Energiepreise, sondern vor allem die Erwartungen für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre. Ein neues Werk rechnet sich über lange Zeiträume. Solange Unternehmen nicht wissen, wie sich Energiepreise, Netzentgelte und CO2-Kosten entwickeln, wählen viele den Standort mit der höheren Planungssicherheit.

Die Verlagerung betrifft selten ganze Werke. Häufiger investieren Unternehmen neue Kapazitäten im Ausland statt in Deutschland. Das ist ein schleichender Prozess, der die industrielle Basis langfristig ausdünnt. Strategien wie Nearshoring zeigen, dass Unternehmen ihre Wertschöpfung neu ordnen, und der Energiepreis ist dabei ein zentrales Kriterium.

Industriehalle mit Maschinen als Symbol für Energiekosten und Standortdebatte

Viele Industrieunternehmen prüfen, ob sie neue Kapazitäten in Deutschland oder im Ausland aufbauen.

Warum der Vergleich mit den USA und China schmerzt

Unternehmen in den USA beziehen Gas und Strom wegen der heimischen Förderung deutlich günstiger. China subventioniert Strom für strategische Industrien gezielt. Europäische Betriebe stehen dazwischen und tragen zusätzlich die Kosten des Klimaschutzes. Für exportstarke Branchen verschärft das den Wettbewerb auf den Weltmärkten, wie der Blick auf die Exportwirtschaft und ihre Absatzmärkte zeigt.

Ausblick: Wie entwickeln sich die Energiepreise 2027?

Für das kommende Jahr zeichnen sich mehrere Gegenbewegungen ab. Der Bundeszuschuss zu den Netzentgelten sinkt von 6,5 auf rund 5,5 Milliarden Euro, was die Netzkosten tendenziell wieder leicht steigen lässt. Der CO2-Preis im nationalen System soll im Korridor von 55 bis 65 Euro bleiben und damit kalkulierbar sein.

Die größte Unbekannte bleibt der Gasmarkt. Solange die Lage am Persischen Golf angespannt ist, enthalten die Energiepreise einen hohen Risikoaufschlag. Entspannt sich der Konflikt, könnten Gas und Strom an der Börse deutlich nachgeben. Verschärft er sich, drohen neue Preisspitzen.

Für deine Planung heißt das: Rechne mit Szenarien statt mit einer einzigen Prognose.

So sicherst du dein Unternehmen gegen steigende Energiepreise ab

Du kannst die Energiepreise nicht steuern, aber deine Abhängigkeit davon. Gerade für Mittelständler ohne Zugang zum Industriestrompreis sind eigene Maßnahmen der wirksamste Schutz. Bewährt haben sich diese Schritte:

Verbrauch transparent machen: Erfasse den Energieverbrauch nach Anlagen und Prozessen, idealerweise mit einem Energiemanagementsystem.

Beschaffung streuen: Kaufe Strom und Gas in Tranchen über mehrere Zeitpunkte ein, statt alles zu einem Stichtag zu fixieren.

Entlastungen prüfen: Kläre, ob du Stromsteuer-Entlastung, Strompreiskompensation oder Industriestrompreis beantragen kannst.

Eigenerzeugung ausbauen: Photovoltaik auf Dach und Freifläche sowie Batteriespeicher senken den Strombezug zu teuren Spitzenzeiten.

Lastmanagement nutzen: Verschiebe flexible Prozesse in Stunden mit niedrigen Börsenpreisen, etwa bei viel Wind und Sonne.

Langfristverträge erwägen: Power Purchase Agreements mit Wind- oder Solarparks sichern Preise über viele Jahre.

Kosten weitergeben: Wenn Preissteigerungen unvermeidlich sind, hilft eine saubere Strategie, um eine Preiserhöhung zu kommunizieren.

Fazit: Energiepreise bleiben der Prüfstein für den Standort

Die Energiepreise sind 2026 zweigeteilt. Strom ist dank Netzzuschuss und Stromsteuersenkung für viele Unternehmen günstiger geworden, Gas und Öl dagegen haben sich durch die Krise am Persischen Golf verteuert. Der Industriestrompreis hilft einer kleinen Gruppe stromintensiver Betriebe, die Breite des Mittelstands profitiert davon kaum.

Für dich zählt deshalb vor allem, was du selbst steuern kannst: Transparenz, kluge Beschaffung, Eigenerzeugung und Effizienz. Wer diese Hebel konsequent nutzt, macht sich unabhängiger von politischen Entscheidungen und geopolitischen Schocks.

Häufige Fragen zu Energiepreisen

Wie hoch sind die Energiepreise für Unternehmen 2026?

Laut Statistischem Bundesamt zahlten Nicht-Haushaltskunden im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt 17,64 Cent je Kilowattstunde Strom, 8,3 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025. Gas kostete 6,29 Cent je Kilowattstunde und damit 1,8 Prozent mehr. Die Werte verstehen sich ohne Umsatzsteuer und andere abziehbare Steuern.

Was ist der Industriestrompreis und wer bekommt ihn?

Der Industriestrompreis ist eine staatliche Beihilfe für besonders stromintensive Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Gefördert werden bis zu 50 Prozent des Großhandelspreises für maximal die Hälfte des Verbrauchs, der Preis sinkt dabei höchstens auf 5 Cent je Kilowattstunde. Die Regelung gilt für 2026 bis 2028, Anträge laufen rückwirkend über das BAFA.

Warum sind die Energiepreise 2026 wieder gestiegen?

Haupttreiber ist der Konflikt um Iran und die Straße von Hormus, durch die ein großer Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft. Lieferausfälle und Risikoaufschläge trieben den europäischen Gaspreis im September 2026 auf rund 79 Euro je Megawattstunde, den höchsten Stand seit Ende 2022.

Welche Entlastungen bei Energiepreisen gelten 2026 für den Mittelstand?

Alle Stromkunden profitieren vom Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten in Höhe von 6,5 Milliarden Euro. Gaskunden sparen die abgeschaffte Gasspeicherumlage. Unternehmen des Produzierenden Gewerbes zahlen zudem nur noch den EU-Mindestsatz bei der Stromsteuer. Händler und Dienstleister sind von dieser Senkung allerdings ausgenommen.

Wie entwickelt sich der CO2-Preis in den nächsten Jahren?

Im nationalen Emissionshandel gilt 2026 ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne, die Bundesregierung will ihn 2027 beibehalten. Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr starten. Dann bildet sich der Preis am Markt, was höhere Kosten wahrscheinlich macht.

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