Geldanlage

ETF-Sparplan: So vergleichst du die Kosten wirklich richtig

Ein ETF-Sparplan gilt als günstigster Weg zum Vermögensaufbau. Doch neben der TER zählen Ordergebühren, Spread und Tracking Difference. So erkennst du die wahren Kosten.

Von Katrin Albrecht
21.10.2026
9 Min. Lesezeit
ETF-Sparplan auf dem Smartphone: Anlegerin vergleicht Kosten und Kursentwicklung ihres Indexfonds

Foto: Unsplash

Ein ETF-Sparplan ist für viele Menschen der einfachste Weg, regelmäßig Vermögen aufzubauen: ein fester Betrag pro Monat, ein breit gestreuter Indexfonds, fertig. Doch wer nur auf die Fondskosten schaut, übersieht oft die Hälfte der Rechnung. In diesem Beitrag erfährst du, welche Kosten bei einem Sparplan tatsächlich anfallen, wie du sie richtig vergleichst und was sich 2026 durch neue Regeln bei den Brokern geändert hat.

Wichtig vorab: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt keine bestimmten Produkte. ETFs schwanken im Wert, und du kannst Verluste erleiden, besonders bei kurzen Anlagezeiträumen. Ziel ist, dass du Angebote selbstbewusst und nüchtern beurteilen kannst.

Was ist ein ETF-Sparplan?

Ein ETF-Sparplan ist ein Dauerauftrag in deinem Wertpapierdepot, mit dem du in festen Abständen einen festen Betrag in einen börsengehandelten Indexfonds investierst. Das ist oft schon ab 1 bis 25 Euro im Monat möglich. Dein Broker kauft automatisch Anteile oder Bruchstücke davon, und du profitierst vom Durchschnittskosteneffekt.

Der Charme liegt in der Disziplin. Du musst keinen Einstiegszeitpunkt abpassen, sondern investierst stetig, in guten wie in schwachen Börsenphasen. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Kostenvergleich: Kleine Unterschiede summieren sich über 20 oder 30 Jahre zu erheblichen Beträgen.

Welche Kosten hat ein ETF-Sparplan?

Die Kosten verteilen sich auf zwei Ebenen: den Fonds selbst und den Broker, über den du ihn kaufst. Beide solltest du getrennt prüfen und dann zusammen betrachten.

Laufende Fondskosten (TER): Die Total Expense Ratio wird jährlich direkt aus dem Fondsvermögen entnommen. Bei breiten Aktien-ETFs liegt sie häufig zwischen etwa 0,05 und 0,30 Prozent.

Ausführungsgebühr: Manche Banken verlangen pro Sparplanrate einen festen Betrag oder einen Prozentsatz, viele Online-Broker bieten Sparpläne gebührenfrei an.

Spread: Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs ist ein versteckter Kostenfaktor bei jeder Ausführung.

Depotgebühren: Bei Direkt- und Neobrokern meist null, bei Filialbanken teils spürbar.

Steuern: Abgeltungsteuer und Vorabpauschale beeinflussen deine Nettorendite, auch wenn sie keine Gebühren im engeren Sinn sind.

TER: wichtig, aber nicht alles

Die TER ist die bekannteste Kennzahl und steht in jedem Factsheet. Sie umfasst Verwaltungsvergütung, Depotbankgebühr und weitere laufende Kosten. Nicht enthalten sind aber Transaktionskosten innerhalb des Fonds, etwa wenn der ETF bei Indexänderungen umschichten muss. Eine niedrige TER ist daher ein guter erster Filter, aber keine Garantie für die günstigste Lösung. Zudem kann eine Fondsgesellschaft die TER senken oder erhöhen. Ein Blick in das aktuelle Basisinformationsblatt lohnt sich deshalb auch bei ETFs, die du schon länger besparst.

ETF-Sparplan in der Broker-App: Smartphone zeigt einen Aktienchart mit Kursverlauf

Viele Sparer verwalten ihren Sparplan heute direkt per App.

Tracking Difference: die ehrlichere Kennzahl

Aussagekräftiger ist die Tracking Difference. Sie zeigt, wie stark die Rendite des ETFs über einen Zeitraum von der seines Index abweicht. Darin stecken alle Kosten und Erträge, die tatsächlich angefallen sind, also auch Einnahmen aus Wertpapierleihe oder Effekte aus der Quellensteuer. Ein ETF mit etwas höherer TER kann deshalb unterm Strich besser abschneiden als ein vermeintlich günstigerer Konkurrent.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt in ihrem Ratgeber zur ETF-Auswahl, beim Vergleich darauf zu achten, dass Fonds- und Indexwährung übereinstimmen. Als weitere Faustregel nennt sie ein Fondsvolumen von mindestens rund 500 Millionen Euro, weil kleine Fonds eher geschlossen oder verschmolzen werden.

Broker-Kosten 2026: Was das PFOF-Verbot ändert

Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Broker auch in Deutschland keine Rückvergütungen von Handelsplätzen mehr für die Weiterleitung von Kundenorders annehmen. Dieses sogenannte Payment for Order Flow war lange das Geschäftsmodell vieler Neobroker, die dadurch Trades für null oder einen Euro anbieten konnten. Grundlage ist eine Änderung der europäischen Finanzmarktverordnung MiFIR.

Die gute Nachricht für Sparer: Nach den veröffentlichten Preisverzeichnissen bleiben ETF-Sparpläne bei den großen Neobrokern weiterhin ohne Ordergebühr. Einzelorders sind dagegen teils teurer geworden oder kosten je nach Handelsplatz unterschiedlich viel. Prüfe deshalb, was dein Anbieter seit Sommer 2026 konkret verlangt, wenn du neben dem Sparplan auch Einmalanlagen tätigst oder Anteile verkaufst.

Worauf du beim Broker achten solltest

Vergleiche nicht nur die Schlagzeile „Sparplan kostenlos“, sondern das Gesamtpaket:

Wie viele ETFs sind sparplanfähig, und gehört dein Wunschfonds dazu?

An welchem Handelsplatz und zu welcher Uhrzeit wird die Rate ausgeführt?

Wie hoch ist der typische Spread zu diesem Zeitpunkt?

Was kosten Verkäufe, Einmalanlagen und Depotüberträge?

Gibt es Gebühren für Fremdwährungen, Ausschüttungen oder Depotführung?

Ist der Broker in Deutschland oder der EU reguliert, und wie ist das Verrechnungskonto abgesichert?

Beruhigend für dich: ETF-Anteile gelten als Sondervermögen. Sie werden getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt und gehören bei einer Pleite des Brokers oder des Anbieters weiterhin dir. Anders sieht es beim Guthaben auf dem Verrechnungskonto aus, das wie ein normales Bankguthaben über die Einlagensicherung geschützt ist.

Spread und Ausführungszeitpunkt verstehen

Der Spread ist der Unterschied zwischen dem Preis, zu dem du kaufst, und dem Preis, zu dem du sofort wieder verkaufen könntest. Bei großen, liquiden ETFs auf bekannte Indizes ist er meist gering, bei Nischen-ETFs oder außerhalb der Haupthandelszeiten kann er deutlich größer sein. Da Sparplanraten oft gebündelt zu festen Zeitpunkten ausgeführt werden, lohnt ein Blick auf die Uhrzeit.

Besonders relevant ist das, wenn der ETF überwiegend außereuropäische Aktien enthält. Sind die Heimatbörsen der Titel geschlossen, sichern sich Market Maker oft mit breiteren Spannen ab. Bei kleinen Raten von 50 Euro fällt das kaum ins Gewicht, bei größeren Beträgen schon eher. Manche Anbieter lassen dich zwischen mehreren Ausführungstagen im Monat wählen. Das ändert an den Kosten wenig, hilft dir aber, die Rate passend zum Gehaltseingang zu planen und Rücklastschriften zu vermeiden.

Rechenbeispiel: So stark wirken Kostenunterschiede

Wie viel Kosten über die Jahre ausmachen, zeigt eine einfache Modellrechnung. Angenommen, du sparst 25 Jahre lang 100 Euro im Monat, insgesamt also 30.000 Euro. Unterstellt wird eine jährliche Bruttorendite von 6 Prozent, was keine Prognose ist, sondern nur der Veranschaulichung dient.

Mit einer TER von 0,2 Prozent wächst dein Depot auf rund 67.500 Euro.

Mit einer TER von 0,7 Prozent kommst du nur auf etwa 62.600 Euro.

Zahlst du zusätzlich 1,5 Prozent Ausführungsgebühr pro Rate, verlierst du beim günstigen ETF noch einmal gut 1.000 Euro.

Die Differenz von rund 5.000 Euro zwischen den beiden Fonds entsteht allein durch einen halben Prozentpunkt laufender Kosten. Genau deshalb solltest du Kosten nicht als Nebensache betrachten.

Person vergleicht Kosten eines Indexfonds-Sparplans auf Smartphone und Laptop

Ein Kostenvergleich am Laptop lohnt sich, bevor du den Dauerauftrag startest.

Ausschüttend oder thesaurierend?

Auch die Ertragsverwendung beeinflusst indirekt deine Kosten. Ein ausschüttender ETF zahlt Dividenden regelmäßig auf dein Verrechnungskonto aus. Willst du das Geld wieder anlegen, musst du es selbst investieren, was zusätzliche Order- oder Spreadkosten verursachen kann. Ein thesaurierender ETF legt Erträge automatisch wieder an und nutzt den Zinseszinseffekt ohne Umweg. Für einen ETF-Sparplan in der Ansparphase ist das oft die bequemere Variante, wer dagegen regelmäßige Einnahmen sucht, greift eher zur ausschüttenden Klasse.

Steuern beim ETF-Sparplan nicht vergessen

Auch die Steuer gehört in einen ehrlichen Kostenvergleich. Für Aktien-ETFs gilt bei Privatanlegern eine Teilfreistellung von 30 Prozent der Erträge, geregelt in § 20 Investmentsteuergesetz. Den Rest versteuerst du mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Bei thesaurierenden ETFs wird jährlich eine Vorabpauschale fällig, deren Höhe vom Basiszins abhängt. Für 2026 liegt dieser Basiszins bei 3,20 Prozent, die Vorabpauschale für das laufende Jahr wird Anfang 2027 eingezogen. Halte daher etwas Guthaben auf dem Verrechnungskonto bereit. Mit einem Freistellungsauftrag nutzt du den Sparer-Pauschbetrag nach § 20 EStG von 1.000 Euro pro Person und Jahr.

ETF-Sparplan einrichten: Schritt für Schritt zum Kostencheck

Mit dieser Reihenfolge findest du eine Lösung, die zu dir passt, ohne dich im Angebotsdschungel zu verlieren:

Lege dein Anlageziel, deinen Zeithorizont und die monatliche Sparrate fest.

Baue zuerst einen Notgroschen auf, bevor du in schwankende Anlagen investierst.

Wähle den Index, etwa einen breiten Welt-Index, und vergleiche mehrere ETFs darauf.

Prüfe TER, Tracking Difference über mehrere Jahre, Fondsgröße und Replikationsmethode.

Kläre, ob du ausschüttend oder thesaurierend sparen möchtest.

Vergleiche Broker nach Sparplanangebot, Ausführungszeit, Spread und Nebenkosten.

Richte den Sparplan ein, erteile einen Freistellungsauftrag und überprüfe beides einmal im Jahr.

Der Notgroschen von etwa drei bis sechs Monatsausgaben gehört nicht ins Depot, sondern auf ein sicheres Konto mit Einlagensicherung. Welche Zinsen dort derzeit realistisch sind, liest du in unserem Beitrag zum Tagesgeld. Wer neben Aktien-ETFs eine weniger schwankende Komponente sucht, findet in unserem Überblick zu Unternehmensanleihen im Depot eine Einordnung.

Die Sparrate regelmäßig anpassen

Ein Sparplan lebt davon, dass er mitwächst. Steigt dein Einkommen, lohnt es sich, auch die Rate zu erhöhen, statt die Gehaltssteigerung komplett in den Konsum fließen zu lassen. Wie du dafür die Grundlage schaffst, zeigt unser Ratgeber zur Gehaltsverhandlung. Viele Broker erlauben eine automatische Dynamisierung oder kostenlose Änderungen der Rate jederzeit.

Typische Kostenfehler beim ETF-Sparplan

Einige Fehler beobachten Verbraucherschützer immer wieder. Die meisten lassen sich mit wenig Aufwand vermeiden:

Nur auf die TER achten und die Tracking Difference ignorieren.

Einen Sparplan bei der Hausbank mit hohen Ausführungs- und Depotgebühren weiterlaufen lassen.

Häufig zwischen ETFs wechseln und dabei Steuern und Spreads auslösen.

Exotische Themen-ETFs mit hohen Kosten und kleinem Volumen bevorzugen.

Den Sparplan in Schwächephasen aussetzen und damit günstige Kurse verpassen.

Fazit: Kosten im ETF-Sparplan aktiv steuern

Ein ETF-Sparplan bleibt 2026 eines der günstigsten und einfachsten Werkzeuge für den langfristigen Vermögensaufbau. Das PFOF-Verbot hat an den kostenlosen Sparplänen der großen Online-Broker bislang wenig geändert, Einzelorders sind aber teils teurer geworden. Entscheidend ist, dass du die Gesamtkosten im Blick behältst: TER, Tracking Difference, Spread, Gebühren und Steuern.

Wer einmal sauber vergleicht und dann diszipliniert dabeibleibt, legt das Fundament für ein solides Depot. Prüfe deine Konditionen jährlich und passe die Rate an deine Lebenssituation an. Denk daran: Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.

Häufige Fragen zum ETF-Sparplan

Was kostet ein ETF-Sparplan im Durchschnitt?

Bei vielen Online- und Neobrokern ist die Ausführung von ETF-Sparplänen 2026 gebührenfrei. Dann fallen vor allem die laufenden Fondskosten an, bei breiten Aktien-ETFs häufig zwischen etwa 0,05 und 0,30 Prozent pro Jahr. Hinzu kommt der Spread bei jeder Ausführung. Filialbanken verlangen teils zusätzliche Ausführungs- und Depotgebühren, die sich über Jahre deutlich summieren.

Welche Rolle spielt die Tracking Difference?

Die Tracking Difference misst, wie stark die tatsächliche Rendite eines ETFs von seinem Index abweicht. Sie enthält alle Kosten und Zusatzerträge, auch solche, die in der TER nicht auftauchen. Deshalb ist sie für den Vergleich mehrerer ETFs auf denselben Index aussagekräftiger. Betrachte am besten Werte über mehrere Jahre und achte auf gleiche Währungen.

Hat das PFOF-Verbot meinen Sparplan teurer gemacht?

Für die meisten Sparer bisher kaum. Seit dem 1. Juli 2026 ist Payment for Order Flow auch in Deutschland verboten, doch die großen Neobroker bieten ETF-Sparpläne laut ihren Preisverzeichnissen weiterhin ohne Ordergebühr an. Teurer geworden sind teils Einzelorders. Prüfe dennoch das aktuelle Preisverzeichnis deines Brokers, vor allem für Verkäufe und Einmalanlagen.

Wann wird die Vorabpauschale beim ETF-Sparplan fällig?

Die Vorabpauschale betrifft vor allem thesaurierende ETFs und wird jeweils Anfang des Folgejahres vom Verrechnungskonto eingezogen, für 2026 also im Januar 2027. Ihre Höhe richtet sich nach dem Basiszins, der für 2026 bei 3,20 Prozent liegt. Mit einem Freistellungsauftrag bleibt sie bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro steuerfrei.

Wie viel sollte ich monatlich in einen ETF-Sparplan einzahlen?

Eine feste Regel gibt es nicht. Entscheidend ist, dass du die Rate dauerhaft durchhältst und vorher einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem sicheren Konto hast. Viele beginnen mit 50 bis 200 Euro und erhöhen die Rate, wenn das Einkommen steigt. Investiere nur Geld, das du langfristig nicht brauchst.

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